Blockchain und Smart Contracts

Ein Blogeintrag von Andreas

Das Fortune Magazin bezeichnet es als den Technologiebegriff der am meisten elektrisiert und gleichzeitig am wenigsten verstanden wird. Eine Methode die vorrausichtlich eine Einsparung von 15-20 Milliarden Euro an Transaktionskosten bis 2022 in der Finanzindustrie bringt. Die Blockchain.

Bekannt wurde die Blockchain 1.0 durch die Kryptowährung Bitcoin und noch immer ist den meisten Menschen das Potenzial jenseits des Bezahlens vollkommen unbekannt. Das dezentrale Netz der Blockchain gilt als äußerst sicher gegenüber Hackerangriffen und beinhaltet unveränderlich sämtliche Transaktionen, die jemals mit ihr durchgeführt wurden. Die Eigentumshistorie von Besitzgegenständen kann so lückenlos nachvollzogen werden und generische Produkte können zu einem Unikat werden, das ausschließlich von der entsprechend zugewiesenen Person bzw. Personengruppe genutzt werden kann1.

Diesen Eigenschaften können je nach Chain weitere Funktionen hinzugefügt werden – damit ist die Blockchain 2.0 geboren. Derzeit bietet sich hierfür die Ethereum-Chain an, die zwar kleiner ist, als die des Bitcoins, jedoch deutlich komplexere Aktionen zulässt. Denn die beste Programmiersprache hilft nichts, wenn man damit keine Reichweite hat. Es lassen sich sogenannte Smart Contracts programmieren, die dann über die Blockchain laufen. Ein Smart Contract ist eine Abmachung, die, nachdem sie einmal vereinbart wurde, unweigerlich zur Ausführung kommt und zwar ohne das Eingreifen oder Handeln eines Menschen. Dies wird realisiert durch ein “if this then that“ Statement. Die einfachste Form eines Smart Contracts ist ein Verkaufsautomat2. Wenn ich Geld einwerfe, dann erhalte ich beispielsweise ein Getränk. Auch komplexere Fälle, wie sie im Versicherungsgeschäft vorkommen, lassen sich durchführen. Alles was man dazu benötigt, sind Daten, die zuverlässig ohne die Möglichkeit der nachträglichen Manipulation ins System gespeist werden. Hier kommt die Blockchain ins Spiel, mit deren Hilfe man Daten von Sensoren zuverlässig erfassen und automatisch auswerten kann. Durch die Unveränderbarkeit und Eindeutigkeit der Blockchain ist bei deren Anwendung ein starker Rückgang an Versicherungsbetrügen in Bezug auf die Mehrfacheinreichung von Schadensfällen zu erwarten.

Einige Versicherer haben bereits erste Smart Contracts auf den Markt gebracht. Diese haben bis jetzt noch nicht den gleichen Umfang wie ein traditioneller Vertrag und sind mehr als Übung anzusehen, die auch die Kundenakzeptanz testet. So kann man mit Axas “Fizzy” seinen Flug vor Verspätungen versichern lassen. Die Flugzeuge übertragen ihre GPS-Daten, die mit denen des Flughafens in der Blockchain abgeglichen werden. Landet das Flugzeug mit zwei Stunden Verspätung, wird der Vertrag automatisch ausgeführt und die Entschädigungszahlung erfolgt sofort. Der Versicherte muss sich nach Vertragsabschluss um nichts kümmern und kommt sehr schnell an sein Geld3. Daraus ergibt sich ein deutlicher Mehrwert für den Kunden. Gleichzeitig können die Versicherer ihre Personalkosten verringern und einen Teil der Ersparnis an den Kunden weitergeben.

Auf der InsurTech Week 2017 in Köln wurde von den Unternehmen ubirch, ARAG und STARTPLATZ erfolgreich ein Smart Contract für Luftqualität ausprobiert. Sensoren übertrugen die gemessene Luftqualität der Räume in die Blockchain. Wurden die vereinbarten Schwellenwerte überschritten, so erfolgte automatisch die Auszahlung einer kleinen Schadenssumme4. Eine “Luftversicherung” für Ballungsgebiete wäre also durchaus denkbar und würde konsequent Betroffene entschädigen. Denkbar sind auch Verträge, bei denen zum Beispiel der Kfz-Versicherungsbeitrag von der Fahrweise abhängig ist oder die Krankenkassenbeiträge anhand des Lebensstils berechnet werden. Abhängig ist dies neben der Gesetzeslage zum Datenschutz jedoch davon, ob der Kunden gewillt ist, seine Daten konstant aufzeichnen zu lassen und diese den Versicherern zur Verfügung zu stellen.

In diesem Zusammenhang hat auch das Internet of Things (IoT) eine hohe Bedeutung. In vielen Bereichen, etwa der Wohnung, sind diese Geräte, die mit der Blockchain verbunden werden können, bereits vorhanden und ihr Stellenwert im Alltag nimmt stetig zu. Das wohl prominenteste Beispiel ist das selbstfahrende Auto, das sich mit Hilfe von Sensoren seinen Weg durch den Verkehr bahnt. Blockchain gestützte Systeme, die alle Daten unveränderlich abspeichern, könnten in Verbindung mit Smart Contracts bei einem Unfall die Ursache und die Schuldfrage automatisch klären, noch bevor die Polizei am Unfallort erscheint. Bei schweren Unfällen können genaue Daten der Verletzten und Verletzungen an die Einsatzkräfte übertragen werden, so dass diese sich bereits vor dem Eintreffen vorbereiten können.

Ein möglicher Nachteil der Technologie ist ihre gnadenlos objektive Durchführung. Auf den ersten Blick scheint das eine Stärke zu sein, dass jeder Kunde immer genau gleich behandelt wird, wenn gewissen Umstände gleich sind. Das nimmt allerdings auch den Spielraum heraus, der von einem Menschen gewährt werden kann. Ein weiteres Risiko liegt in der Tatsache, dass ein Smart Contract, der einmal in die Blockchain hochgeladen wurde, aber fehlerhaft ist, nicht mehr verändert werden kann. In diesem Zusammenhang findet auch keine menschliche Plausibilitätskontrolle mehr statt. Doch die größte Unwägbarkeit liegt in der Haftung: Es gibt keinen der für Verluste und Fehler aufkommt, da technisch gesehen niemandem die Blockchain gehört. Diesbezüglich ist der Gesetzgeber gefragt, möglichst schnell Klarheit zu schaffen, um Unternehmen die Möglichkeit zu geben diesen Trend nicht zu verpassen. Denn die Anzahl der eingereichten Patente im Jahr 2017 zum Thema Blockchain steigt und die meisten kommen aus China (225), USA (91) und Australien (13)5.

Derzeit gibt es noch kein ernstzunehmendes Blockchain-Produkt auf dem Markt. Doch das Potenzial, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, ist zu groß, als dass Unternehmen es sich leisten könnten nicht auf den Zug mit aufzuspringen. Die ersten Smart Contracts für den Mainstream werden 2019 bis 2022 erwartet Dann wird sich zeigen, ob der Markt für die Technologie schon bereit ist6. Es kommt dann vor allem darauf an, möglichst schnell eine große Nutzerzahl und damit Reichweite zu erreichen, um sich im Business der Smart Contracts halten und zu wachsen. Genau hier liegt die Gefahr für die etablierten Versicherer. Digital Natives werden sich vermehrt mit der neuen Technologie auseinandersetzen und versuchen Marktanteile zu gewinnen. Dem Kunden wird es am Ende des Tages egal sein, wo er versichert ist, solange der Preis und die Leistung stimmen. Wenn die Prozesse dann auch noch schneller abgewickelt werden, wird die Wahl nicht mehr schwerfallen.


1 Vgl. Sandner, P. (2017), o.S. | 2 Vgl. Rosic, A. (2016), o.S. | 3 Vgl. Lindner, A. (2018), o.S. | 4 Vgl. Gattermann, C. (2017), o.S. | 5 Vgl. Noonan, L. (2018), o.S. | 6 Vgl. Sandner, P. (2017), o.S.