Was macht ein gutes Team aus?

Ein Blogeintrag von Ralph

Was ist eigentlich die Grundlage für ein gutes Team? Anhand von praktisch greifbaren Methoden erfährst du in diesem Artikel, was der Grundstein für ein gutes Team ist, sieben Punkte wie es in einem Team aussehen sollte und wie so ein Team gebildet werden kann.

Was macht ein gutes Team aus?

Was ist die Grundlage für ein gutes Team? Seit Dezember bin ich als Scrum Master in einem neu zusammengestellten Team unterwegs und versuche mit möglichst viel gesundem Menschenverstand und möglichst wenig Theorie aus einer Gruppe Menschen ein Team zu basteln. Entlang an verschiedenen Kulturen, unterschiedlichen Mindsets, Altersunterschieden und einhergehenden Erfahrungsunterschieden ist es meine Aufgabe, einen gemeinsamen Nenner zu finden und die geforderten PS auf die Straße zu bringen. Da ich lieber versuche, mich an praktisch greifbaren Methoden entlang zu hangeln, anstatt lange Theorie-Vorlesungen zu geben, bin ich ganz froh, vor einiger Zeit auf das Buch „The 5 Dysfunctions of a Team“ von Patrick Lecioni (unbezahlte Werbung ;-) ) gestoßen zu sein. Dieses Buch hat mich sehr inspiriert und ich möchte im folgenden Artikel aufzeigen, was eigentlich ein gutes Team ausmacht. Der Autor bringt es auf den Punkt:

„Successful teamwork is not about mastering subtle, sophisticated theories, but rather about embracing common sense with uncommon levels of discipline and persistence.“ (Patrick Lecioni)

Wie oben schon erwähnt, kommt man im Team am weitesten, wenn man sich von Common Sense – dem gesundem Menschenverstand - leiten lässt und sich nicht in irgendwelchen Theorien verliert, die vielleicht oder vielleicht auch nicht für irgendeinen Anwendungsfall mal funktioniert haben. Also legen wir los.

Am Anfang eines guten Teams steht Vertrauen

Fehlendes Vertrauen führt dazu, dass Teammitglieder ihre Meinung weder offenkundig noch bereitwillig mitteilen. Das resultiert aus der Angst vor Verletzlichkeit, die oft in neuen Situationen entsteht. Ich glaube jeder kennt das, zum Beispiel aus Unikursen oder aus sonstigen Terminen. Die ersten Momente in einer neuen Gruppe bestehen oft daraus, möglichst auf den Boden oder Tisch zu starren und nicht aus der Masse zu stechen. Man kennt die anderen nicht und traut sich auch nicht wirklich, sie kennenzulernen.

Auch in Bezug auf Teams, die gerade neu starten oder schon lange bei zu viel Flurfunk zusammenarbeiten müssen, lässt sich beobachten, dass Mitglieder eine gewisse Unverletzlichkeit ausstrahlen möchten, um möglichst wenig Konfrontation mit anderen zu haben. Doch nur, wer zu seinen Teammitgliedern Vertrauen aufbaut, wird in der Lage sein, den nächsten Schritt zu gehen: konstruktiver Konflikt.

Konstruktives Konflikt

Die künstliche Harmonie und die augenscheinliche Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, die durch fehlendes Vertrauen zwischen den einzelnen Mitgliedern entsteht, verhindern produktive Diskussionen zu wirklich relevanten Terminen. Die Realität hat euch sicherlich schon mal das eine oder andere Meeting beschert, in dem es klar war, dass ein Elefant im Raum steht, dieser aber von niemandem angesprochen wurde.

„Irgendwer wird sich dabei schon was gedacht haben.“ Jede Person in jedem Meeting - always.

Solche offensichtlichen Dinge nicht anzusprechen, aus Angst davor, an den Pranger gestellt zu werden oder im Worst Case sogar noch beleidigt zu werden, zeigt, dass das Team immer noch damit beschäftigt sein sollte, Vertrauen aufzubauen. Sobald sich abzeichnet, dass Termine produktiv werden und wirklich Entscheidungen getroffen werden, da wichtige Themen auf den Tisch kommen, sollte das Team auch in der Lage sein, produktiven Konflikt miteinander einzugehen. Aus diesen Konflikten resultierende Entscheidungen können dann vom gesamten Team getragen werden.

Gemeinsam in eine Richtung blicken

An dritter Stelle steht das Commitment, also das Engagement und die eigene Verpflichtung ein Ziel zu erreichen. Ohne Themen offen zu klären und dadurch fürs gesamte Team die benötigte Klarheit zu schaffen, wird es sehr schwierig, ein gemeinsames Ziel zu definieren, hinter dem alle stehen. Um die Effizienz bei den Entscheidungen zu steigern, können sich Teams auch darauf einigen, statt mit Übereinstimmung durch Zustimmung bzw. Nichtablehnung zu entscheiden.

Verantwortung übernehmen

Wenn sich ein Team dazu entwickelt hat, Entscheidungen mit Commitment zu treffen, ist es Zeit darüber nachzudenken, wie es mit Verantwortlichkeiten aussieht. Bis jetzt lag der Fokus darauf, das Team auf einen gemeinsamen Nenner und zu gemeinsamen Entscheidungen zu bringen. Dennoch ist es wichtig, dass einzelne Team-Mitglieder Verantwortung für Aufgaben übernehmen und dass das Team auch mutig genug ist, die einzelnen Mitglieder an diese Aufgaben zu erinnern. Einzelne Team-Mitglieder sollten keine Angst vor unangenehmen zwischenmenschlichen Situationen haben.

Es wurden Ziele zugesagt, also ist es nur natürlich, die einzelnen Mitglieder darauf hinzuweisen, dass diese Ziele in ihrer Verantwortung liegen. Am Ende sollten diese Ziele zu Ergebnissen führen, die für das ganze Team als erreicht gelten. In einem funktionierenden Team werden diese Ergebnisse als wichtiger als die persönlichen Ziele betrachtet. Es sollte klar sein, dass man nur gemeinsam erfolgreich ist und dass es Schwierigkeiten für alle mitbringt, wenn man sein Ego und seinen Status vor das Team stellt.

Acht Tipps, die eigentlich eh schon auf der Hand liegen

Okay, genug Theorie. Wir wollen ja eigentlich Common Sense und keine 500-seitigen Handbücher. Wie schaut es also in einem guten Team aus?

  1. Um Hilfe fragen - Leute fühlen sich wohl damit um Hilfe zu fragen. Warum auch nicht? So kommt man schneller weiter, als zwei Tage als anonymer User in irgendwelchen veralteten Foren im Netz herumzugeistern.
  2. Zu Fehlern stehen - Man steht zu seinen Fehlern und zu dem, was man noch nicht kann. Bringt doch nichts, Angst davor zu haben, Fehler nicht zuzugeben. Machen, scheitern, lernen. Fehler sind nur problematisch, wenn sie ein zweites Mal passieren.
  3. Feedback geben - Es könnte ganz cool sein, auch mal das Risiko einzugehen, seinen Kollegen Feedback zu geben. Meistens freuen sich Menschen darüber, danach schlauer zu sein. Aber hey - konstruktiv bleiben!
  4. Keine Wissens-Silos - Es gibt keine Kopfmonopole, sondern Wissen und Skills werden untereinander ausgetauscht. Silos waren gestern. Die Zeiten, in denen man Karriere macht, weil man möglichst viele Informationen unzugänglich in seinem Kopf hortet, sind hoffentlich Geschichte.
  5. Commitment zeigen - Es wird sich in Terminen im Kreis gedreht, weil keiner eine Ansage macht und sich niemand committen will. Abhilfe schafft hier, sich vorher zu überlegen, worum es gehen soll (Hallo Agenda!) und was entschieden werden muss.
  6. Schnell Entscheidungen treffen - Es werden bessere Entscheidungen getroffen - und zwar in kürzerer Zeit und höherer Qualität - wenn sich jeder traut, Gedanken darüber zu machen, welche Entscheidungen als nächstes wichtig sind.
  7. Ehrlich sein - Die Karten liegen immer offen auf dem Tisch, wichtige Themen werden angesprochen und alle Team-Mitglieder können sich gerne daran beteiligen. Anders macht es keinen Spaß. Sonst steht der Elefant im Raum und nimmt ziemlich viel Platz ein. Nicht nur dort, sondern auch in den Köpfen der Mitglieder.
  8. Ein gemeinsames Ziel verfolgen - Irgendwie schafft es das Team, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Wozu solltet ihr sonst ein Team sein?

Am Ende steht noch die Frage, wie man ein gutes Team bildet. Ich denke, es ist wichtig, eine gemeinsame Vision zu finden. Nur wenn Team-Mitglieder wissen, warum sie ein Team bilden, können sie zusammenwachsen und Ziele erarbeiten, wie die neue Vision denn erreicht werden soll. Auch ein paar klare Regeln, die transparent für jeden einsehbar sind, halte ich für wichtig. Gemeinsam definieren, welche Werte und Ziele das Team haben soll und was vermieden werden muss und das dann in ein schönes Team-Manifest verpacken, hilft dabei, den Fokus nicht zu verlieren.

Und bitte den Spaß an der Sache nicht vergessen! Mein Team wird täglich mit Abmahnungen (keine echten natürlich), Denkzetteln und Fleißpunkten bespaßt. Der etwas andere Pranger hilft dabei, das Team zusammenzuschweißen und auf eine lockere Art und Weise das Lernen aus Fehlern zu fördern. Eine formelle Alternative dazu ist die Retrospektive. Hierbei wird ein festgelegter Zeitraum gemeinsam analysiert und aus den Erkenntnissen Maßnahmen beschlossen, die dem Team dabei helfen, sich zu verbessern. In einer Firma, die aus mehr als einem Team besteht, ist es zusätzlich wichtig, dass gute Teams top-down, also auch vom Management, vorgelebt werden. Frei nach dem Motto „mit gutem Vorbild vorangehen“ sollten sich alle, die von ihren Mitarbeitern Teamwork fordern, an die eigene Nase fassen und selbst damit starten.

Wenn man sich erfolgreiche Teams anschaut, wird man erkennen, dass vor allem sie übermäßig menschlich sind. Auch wenn es esoterisch klingt: Erst wenn Team-Mitglieder erkennen, dass Menschsein Unvollkommenheit bedeutet, wird auch ein Team funktionieren. Es gibt nämlich - wer hätte es gedacht - kein perfektes Team, da es keine perfekten Menschen gibt. Aber es gibt gute Teams. Die hören nicht auf zu lernen, gesunden Menschenverstand einzusetzen und sich ständig neu zu hinterfragen. Denn letztendlich gilt: Teamwork makes the dream work.