9 Gebote: So entwickeln wir unsere Produkte.

Ein Beitrag von Anna und Mikaela

Wie wir unsere Produkte entwickeln …

LEAN natürlich. Doch was bedeutet das überhaupt?

In diesem Blogpost haben wir das Buch „The Lean Startup“ von Eric Ries bereits kurz vorgestellt.

Da CodeCamp:N als Inkubator ständig neue Projekte verfolgt und neue Produkte entwickelt, ist besonders der Aspekt der leanen Produktentwicklung für das Unternehmen eine wichtige Leitlinie. Um ein übereinstimmendes Verständnis und eine einheitliche Sprache in Bezug auf iteratives Lernen und den MVP-Gedanken im CodeCamp:N zu etablieren, bekommt jeder neue Camper seine eigene Ausgabe des „The Lean Startup”.

Was ist Lean Startup?

Um den Inhalt von „The Lean Startup“ für leane Neulinge kurz zusammenzufassen, kann man folgenden Punkt explizit herausgreifen: Das MVP, also das „Minimum Viable Product“, soll durch seine minimalen Funktionen Rückmeldungen und Feedback von potenziellen Kunden einholen, bevor das Produkt als Ganzes auf den Markt geht. Anstatt ein neues Produkt vollständig zu konzipieren und dann mit all seinen Details zu entwickeln, sieht die Arbeit mit MVP’s vor, mit einem schlanken Produkt auf den Markt zu gehen – einem, das nur gerade so am Markt überleben kann. Dieses wird dann in einem iterativen Prozess durch echtes Kundenfeedback weiterentwickelt. Diese Entwicklung basiert wiederum auf dem Wissen, welches man sich durch das kontinuierliche Lernen am Markt angeeignet hat.

Doch wie läuft leane Produktentwicklung eigentlich bei uns ab und mit welchen Herausforderungen werden wir konfrontiert?

Zu Beginn des Prozesses steht oftmals ein Design Thinking Workshop. Innerhalb weniger Tage beschäftigt sich eine kleinere Gruppe von CodeCampern mit einem vorgegebenen Thema oder versucht ein Nutzerproblem zu ermitteln und dieses mittels des Workshops zu lösen. Wenn dabei ein echtes Nutzerproblem und eine passende Lösung (Problem-Solution Fit) identifiziert werden können, wird das Projekt im CodeCamp:N weitergeführt

Im weiteren Verlauf der Produkte wird auf eine schlanke Weiterentwicklung geachtet, um zu ermöglichen, an mehreren Projekten gleichzeitig zu arbeiten und sie zu verwirklichen.

Immer nah am Nutzer

Ein wichtiger Fokus während der gesamten Produktentwicklung liegt auf den Nutzern und ihrem Feedback. Deshalb ist es wichtig bereits ab Beginn der Ideation aktiv auf Nutzer zuzugehen. Dies kann beispielsweise in Form von qualitativen Interviews oder Befragungen auf der Straße geschehen. Dieser Grundsatz wurde auch von Steve Blank mit dem Satz “Get out of the building” zum Ausdruck gebracht – denn Wissen kommt immer nur von außen. Dafür muss der eine oder andere auch mal über seinen eigenen Schatten springen und aktiv Leute ansprechen. Die Erfahrung zeigt, dass die Personen einen Großteil zur Entwicklung und Weiterentwicklung beitragen können, welche ein tieferes Interesse am Nutzenproblem und der Lösung haben.

Build - Measure - Learn

Nur mit echtem Feedback kann ein Produkt zielführend weiterentwickelt werden. Dieses Feedback kann unter anderem in Form von Zahlen und Key Performance Indikatoren erfolgen. „The Lean Startup“ spricht hierbei von “Build - Measure - Learn”. Um diesen Zyklus zu durchlaufen, wird zu Beginn ein MVP programmiert (Build) und im Idealfall veröffentlicht. Nachfolgend werden Nutzungsdaten gesammelt (Measure), die gesammelten Daten ausgewertet und im Anschluss Veränderungen oder Verbesserungen konzipiert (Learn). Diese Veränderungen und Verbesserungen werden am bereits bestehenden Produkt vorgenommen (Build). Daraufhin werden erneut Daten erhoben (Measure) und darauf aufbauend Veränderungen konzipiert (Learn). Und so entsteht ein sich immer wiederholender Prozess, welches das Produkt zielführend weiterentwickelt.

Was wir bisher gelernt haben

Bei einem unserer letzten Projekte haben wir zunehmend gemerkt, dass es leicht passieren kann sich in Daten und Zahlen zu verlieren. Daher ist es umso wichtiger, Daten immer mit einem gewissen Kontext zu ergänzen, damit so wertschöpfende Learnings generiert werden können.

Weiterhin sollte der Build-Measure-Learn-Zyklus immer auf Learnings abzielen, welche einen Mehrwert zum Produkt beitragen. Denn auch hier kann es vorkommen, dass man sich schnell in Kleinigkeiten verliert und nur noch Schriftarten oder –farben anpasst.

Daher haben wir 9 Gebote herausgearbeitet, an denen wir uns orientieren, um die Methoden von „The Lean Startup“ in unserem Alltag umzusetzen.

1. Kurzfristiges Ziel sollte nie Geld, sondern immer Wissen sein
2. Wenn du dich nicht ein bisschen für deinen MVP schämst, ist es kein MVP
3. Erkenntnisse aus Zahlen müssen mit einzelnen Customer Journeys abgeglichen werden
4. Wissen kommt immer nur von außen – auch wenn das oft komplizierter ist
5. Schnelligkeit vor Qualität – Standards vor Schnelligkeit
6. Es gibt nur einen fucking Minimum Viable Product
7. Langfristiges Ziel sollte immer Geld oder Gewinn sein
8. Ohne begrenzte Ressourcen gibt es keinen Druck, die Komfortzone zu verlassen [Langsamkeit]
9. Tracking ist extrem wichtig, allerdings führen die Zahlen auch dazu, sie zu oft anzuschauen und die anstehende Arbeit zu vernachlässigen

Die wohl größte Hürde ist und bleibt der eigene Kopf. Ein Ziel des Lean Startup ist das “schnelle Scheitern”. Doch niemand möchte scheitern oder sich ebendies eingestehen. Daher ist es wichtig, das Scheitern als eine weitere Form des Lernens anzusehen. Denn laut „The Lean Startup“ ist die Arbeit nicht einfach verloren, sondern hat zum Weiterkommen beigetragen. Erfahrungsgemäß zeigt sich, dass ein Produkt erst Erfolg haben kann, wenn man vorher mit einem anderen Vorgänger-Produkt gescheitert ist. Im CodeCamp:N werden die Mitarbeiter dauerhaft ermutigt sich dem Scheitern zu stellen, um so in ihrer Arbeit voranzukommen und sich selbst weiterentwickeln zu können.

Abschließend können wir sagen, dass leane Produktentwicklung für uns eine effiziente und effektive Arbeitsweise ist, auch wenn es seine Tücken mit sich bringt. Besonders unsere offene Fehlerkultur hilft uns dabei, das Prinzip des Lean Startup zu leben.



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